Testprozess-Optimierung für Testmanager: erste Fragestellungen

In dieser Checkliste werden erste Fragestellungen für eine Optimierung von Testprozessen in Softwareentwicklungsprojekten gegeben. Die Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dient in Projekten als erste Basis für den Testmanager. Auf Besonderheiten in agilen Softwaretests wird eingegangen..

  1. First things first
    Was sind die wichtigsten Themen für den Test, optimal je nach Risiko strukturiert?
    Was sagt das Management als Antwort auf die Frage “Was braucht man als Testmanager, um hier erfolgreich zu sein?” Das Management muss mit an board sein und den Erfolg des Testmanagements unterstützen. Dazu sollten diese Fragen zwingend geklärt werden. Ein stillschweigendes “Wir wissen Bescheid” führt in der Regel zu Missverständnissen.
  2. Papierlage checken
    Gibt es ein freigegebenes und aktuelles Testkonzept?

    Wenn ja: dann sollte mit hoher Prio durchgearbeitet werden und auf Lücken analysiert werden. Eine allzu formelle Beharrung auf diese Papiere führt jedoch meist nicht weiter! Es sollte immer mit den zentralen Stakeholdern eine gute informelle Kommunikation gesucht werden, denn diese Testkonzepte werden meist anfänglich erstellt, und sind oftmals stark überholungsbedürftig.
  3. Klarheit schaffen
    Besteht Transparenz über die Testobjekte?
    Programme, Features, Stories, Funktionen, Schnittstellen etc. sind klar?
    Die Systemlandschaft ist Transparent: SAP-Module, Desktop bzw. Mobile-Frontends, 3rd Party Infrastruktur-Frameworks, Test-Tools, ALM-Tools und Hilfsprogramme, Schnittstellen-Broker etc
    Branchen- und Firmenstandards oder Richtlinien sind abgedeckt?
    Ist ein effektives Fehlermanagement eingerichtet? Ein kompliziertes Thema, das immer individuell ist. Unter anderem sind hier wichtig:
  4. Werkzeuge, die das Leben einfacher machen sollen
    Gibt es eine einheitliche Toolunterstützung mit Zugriff der Anwender, Tester, Entwickler und ggf. für das Management?
  5. Melden macht frei – aber richtig.
    Existiert ein einheitliches Fehler-Meldeschema?
  6. KISS – Keep it simple and st….
    Ist die Testfall-Definition klar? Ist eine möglichst einfache und wiederverwendbare Strukturierung ist wünschenswert und sind die Testfälle ggf. für dritte Personen ausführbar? Das Testmanagement sollte sich die Testfälle, die es ggf. schon gibt, einmal ansehen.
  7. Klare Strukturen
    Die Kommunikationswege sind klar und werden eingehalten?
  8. Klare Kennzahlen
    Das Reporting und entsprechende Kennzahlen sind definiert?
    Hierbei ist oftmals weniger mehr . Eine einfache Erhebung und eine stetig verfügbare aktuelle Datenlage ist für einen transparenten bzw. reifen Testprozess unerlässlich. Beispiel: Gesamtanzahl Testfälle / Sprit (je nach Feature), Anzahl offene, abgeschlossene, blockierte Testfälle, Testergebnis: fehlerhaft bzw. bestanden
  9. Klar ist, was wichtig ist
    Die Prioritäten der Testfall-Abarbeitung sind klar kommuniziert und mit dem Management abgestimmt?
    Empfehlenswert: Kritische Bugs, Neue Funktionen, Fehlernachtests von Bugs mit Prio < kritisch
  10. Reibungsloses Bugfixing braucht ein gutes Konfig-Management
    Ist das Konfigurationsmanagement effizient und effektiv im Einsatz?
    Gerade bei komplexen Systemlandschaften z.B. im SAP-Umfeld mit unterschiedlichen Customising, Entwicklungs-, Test- und QS-Systemen sowohl auf Kunden und Entwicklerseite, kann dies schnell zu einem Blocker und einer Fehlerquelle werden.
  11. Vorsicht vor Allgemeinplätzen bei den Testendekriterien
    Was sind die Abnahmekriterien und wann ist ein Test erfolgreich beendet?
    Gerade bei agilen Softwareprojekten kann hier Konfusion und Streit entstehen um die Qualität, denn das Testendekriterium “alle Testfälle sind erfolgreich gelaufen” ist unrealistisch und nicht erfüllbar. Besser ist eine Mischung aus einem Prozentsatz mit positivem Ergebnis der definierten und abgenommenen Testfälle mit der Priorität “hoch” o.Ä.  Die Akzeptanzkriterien der User Stories müssen klar sein – hier ist ein erfahrener agiler Coach ggf. notwendig, Allgemeinplätze wie “Alle Tests sind bestanden, die Funktion funktioniert korrekt” – auf Story-Ebene – führen als Akzeptanzkriterium oftmals zu Schwierigkeiten.
    Dokumentation sauber und vollständig.
  12. Beweise sammeln
    Ist die Dokumentation sauber?
    Bei agilen Projekten in “heißen Projektphasen” oder bei Projekten mit Schieflage mit hohem Zeitdruck: Beweise sind hier besonders wichtig, für eine Absicherung der Softwarequalität und zur Vermeidung von juristischen Projektrisiken. Darauf sollte das Testmanagement also besonders achten. Testfälle müssen nicht veränderbar, an die Freigeber kommuniziert, möglichst abgenommen (“Freigabe-Zertifikate”) und vollständig archiviert werden

Erste Fragen für das Testmanagement

Viele dieser formulierten ersten Fragestellungen sind die Basis eines Testkonzepts. Ein effektives und wohl durchdachtes Konfigurations- und Testmanagement ist eine solide Basis für eine Steigerung des Reifegrades von Softwareentwicklungsprojekten.
Gerade bei agilen Softwareentwicklungsprojekten, bei denen wenig dokumentiert wird, ist ein besonderes Augenmerk auf das Testmanagement zu legen, denn z.B. können mangelhaft dokumentierte Testergebnisse hohe Projektrisiken nach sich ziehen. read more