Was sind digitale Nomaden?

Wenn man sich mit digitaler Kompetenz beschäftigt, ist es sinnvoll  einen Trend in der Gesellschaft näher zu beleuchten: digitale Nomaden. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr darüber.

Was treibt digitale Nomaden an?

Statusdenken und hip ist heute nicht mehr das hochwertige PKW. Sondern ein eigenes Start-up. Unternehmertum ist genau wie Technologie cool geworden. Heute sind in den Köpfen der Millennials Nerds keine blassen Brillenträger vor großen Computerbildschirmen mehr, sondern eher coole und selbstwirksame Persönlichkeiten mit einem MacBook.

Ein weiterer Trend treibt digitale Nomaden an: der Trend zum Minimalismus. Im Minimalismus, geht es in einer post-kapitalistischen Weltanschauung darum, die wachsende Unzufriedenheit im Alltag, die durch Streben und Verlangen nach materiellen Besitz nicht nachlässt, zu erkennen und aufzulösen. Minimalisten wollen keinen Besitz, der sie abhängig macht. Sie wollen frei sein. Sie wollen frei reisen und frei über die eigene Zeit entscheiden können.

Hierfür bietet sich für Minimalisten das digitale Nomadentum an. Eine neue Arbeits- und Lebensform.

Digitales Nomadentum besitzt bei Tageslicht betrachtet, eine ordentliche Portion Sozialromantik. Denn mit Minimalismus und der “gig economy” soll dem Hamsterrad des Angestellten-Daseins entkommen werden.

Ordentlich befeuert werden diese Ideen von Autoren, Lifestyle-Coaches und “erfolgreichen Internet-Unternehmern”. Mit Lamborghinis treten Mittzwanziger auf und suggerieren “Auch du kannst es schaffen!”.  Zu nennen wäre hier beispielsweise Tim Ferris (4h Woche). Auf YouTube und sozialen Medien verbreiten diese neuen Gurus ihren “way of Life” und sind bestrebt ihre Online-Kursen an den Mann und an die Frau zu bringen. In den Methoden, die es angeblich jedem ermöglichen ein erfolgreicher Unternehmer zu sein, geht es dabei natürlich zuerst darum, den Geldbeutel dieser Life-Coaches zu füllen.

Die Nomaden verbleiben in dieser Rolle reine Konsumenten der Kurse. Viele Sympathisanten gehen den Schritt einer Kündigung des Angestellten-Daseins natürlich nicht wirklich. Einige wenige  sind jedoch konsequent und steigen tatsächlich als digitale Nomaden in ein anderes Hamsterrad ein.

Welche Vorteile hat digitales Nomadentum?

Dieses neue Hamsterrad hat aus Sicht der digitalen Nomaden jedoch einige Vorteile.

Diese wären:

  • ortsunabhängiges Arbeiten,
  • zeitunabhängiges Arbeiten,
  • der digitale Nomade arbeitet während des Reisens, und kann während der Arbeit neue Länder und Kulturen entdecken.

Wodurch wird digitales Nomadentum möglich?

Möglichmacher vom digitalen Nomadentum sind in der Computertechnik zu finden. Auf dem Laptop sind Audio- und Musikproduktionsprogramme, Softwareentwicklungsumgebungen, Videoschnittprogramme und die klassischen Office-Programme schnell installiert. Viele Programme brauchen nicht mal mehr eine Installation, sondern sind online im Browser verfügbar. In der Cloud und über Plattformen können weltweit und sekundenschnell Daten ausgetauscht werden. Kritisch ist natürlich immer der Internetzugang. Ohne den geht gar nichts mehr.

Mit sog. “Collaboration-Software”, Online Job-Vermittlungsplattformen (z.B. Fiverr oder upwork) wird es möglich digitale Arbeit an digitalen Produkten und Dienstleistungen anzubieten. Hierzu ist es nicht notwendig in einem Büro zu sitzen oder eine Arbeitsstätte mit teuren Anlagen zu haben. Es reicht ein Schreibtisch irgendwo.

Welche Grenzen hat digitales Nomadentum?

Eine Limitierung wird jedoch klar: digitale Nomaden können nur an digitalen Gütern arbeiten. Sie können quasi keine physischen Güter während der Reisen erstellen. Sie können auch keine komplexen Untersuchungen, z.B. in einem Labor durchführen. Dafür fehlt es einfach an Equipment. Digitale Arbeit ist ist beispielsweise das Design, Konzeption, Beratung, Dropshipping, Programmierung, Entwicklung von Websites und Marketing-Material.

Das Romantisieren von digitalen Nomadentum ist meiner Meinung nach nicht zielführend. Viele digitale Nomaden arbeiten aus der Ferne für die Heimat und brechen die Zelte nicht ganz ab. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine ganze Gesellschaft mit dauerhaft Reisenden Gig-Arbeitern ausschaut. Ich würde digitales Nomadentum eher um als Ausbruchs- und Entdeckungsphase von jungen Leuten interpretieren. Die jungen Menschen möchten Grenzen erfahren, sich selbst kennenlernen und Neues probieren. Die Vereinbarkeit von digitalen Nomadentum und Familie ist nicht gegeben. Es wirft tradierte Rollen- und Lebensmodelle über den Haufen.

Digitales Nomadentum könnte jedoch für erfahrene Menschen interessant sein. In einer befristeten Auszeit vom jahrelangen Stress im Angestellten-Job einmal einige Monate  als digitale Nomaden zu leben und zu arbeiten, könnte für viele als Alternative zum Sabbatical durchgehen.

Was heisst das nun für digitale Kompetenz von Angestellten in etablierten Firmen in Deutschland?

Es bedeutet, dass ein effektiver Wissensarbeiter zu sein, immer wichtiger in der Gesellschaft wird.  Digitales Nomadentum “light” ist das Home-Office. Digitale Arbeit wie die Programmierung von Software kann  von Festangestellten zeit- und ortsunabhängig im Home-Office erledigt werden. Bei dieser leichten Version, ist zumindest eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gegeben.

Fazit – Quo Vadis digitales Nomadentum?

Der digitale Nomade arbeitet modern und befindet sich reisend in einem Hamsterrad der Gig-Ökonomie. Unsere Gesellschaft verändert sich durch diese Form der Arbeit. Die Menschen sind scheinbar immer weniger bereit sich fest anstellen zu lassen. Angestellten-Jobs werden von vielen digitalen Nomaden als “moderne Sklaverei” angesehen. Ob sich dieser Trend hält oder verpufft wird die Zeit zeigen.

Über den Autor

Dipl. Kfm (univ.) Christian Ehlert ist Gründer und Unternehmer aus Leidenschaft. Nach dem Studium der BWL mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik, Industriebetriebslehre und Marketing an der Universität Jena und einer Diplomarbeit bei IBM im Bereich von Sprachcomputern, arbeitete er über 9 Jahre als IT-Berater im Softwaretest und als Innovationsmanager. Er beschäftigt sich seit 2009 mit Innovationen in etablierten Unternehmen. Der Autor wirkte unter anderem am Aufbau von internen Innovationslaboren mit. Im Jahr 2016 gründete er seine Innovationsberatung LEANOFY INNOVATION in Wiesbaden. LEANOFY bietet top notch Innovation mit Jobs to Be Done und Rapid-Prototyping für neue digitale Geschäftsmodelle.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.