Effectuation: Was erfolgreiche Unternehmer und Manager unterscheidet

Haben Sie sich einmal gefragt, was erfolgreiche Unternehmer und Manager bei Innovation mit hoher Ungewissheit anders machen? In diesem Beitrag erfahren Sie es.

Was ist Effectuation?

Effectuation ist Methode und Mindset und wird von erfahrenen Unternehmer bei großer Entscheidungsunsicherheit eingesetzt. Effektuieren folgt dabei fünf Grundprinzipien:

Das Hier und Jetzt ausschöpfen

  • Was kann ich?
  • Was habe ich jetzt?
  • Wen kenne ich jetzt [… der mir helfen kann, mein Ziel zu erreichen]?

Flexibel bleiben

  • Das Beste aus Störungen und Zufällen machen.
  • Wenn der Gegenwind zu heftig wird: einfach das Segel umdrehen und mit Rückenwind weiterfahren, z.B. Post-its wurden zufällig ablösbare Haftnotizen – entwickelt werden sollte eigentlich ein Superkleber

    Partner gewinnen, die mitmachen wollen

  • Bei ungewissen Ideen, nur Menschen und Partnerfirmen mit ins Boot nehmen, die auch wirklich mitmachen wollen.
  • Wenn jemand mit Geld überredet werden muss, dann ist es besser einen anderen Partner zu gewinnen.

    Leistbarer Verlust

  • Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Wenn es nicht so übel ist, dann ist es den Versuch wert!
  • Das Risiko der Unternehmung mit smarten und geringen Investitionen, z.B. durch Prototyping minimieren und im Griff halten.

    Jeder ist seines Glückes Schmied

  • Sie kreieren das Leben und die Arbeit, die sie möchten, die Ihnen wichtig erscheint.

Was unterscheidet Manager und Effekturierer?

Ideale Manager sind Zielerreicher. Sie legen Ziele fest. Und dann sollen diese Ziele durch sorgfältige Entscheidung, Überwachung und kontrollierte Ausführung erreicht werden. Das Problem: Niemand kann die Zukunft voraussagen. Darum können Ziele (Wirkung) und die Mittel (Ursache) vorher nicht gefunden werden. Rationale Entscheidungen sind somit gar nicht möglich. Viele Manager neigen dann dazu, das weitere Vorgehen zu planen. Planung wird in solchen Phasen jedoch zur Innovationsbremse. Und Planung wird zu einem Wasserkopf, der im Grunde reiner Luxus ist.

Das “professionelle Management” funktioniert nicht bei Ungewissheit.

Doch, was bedeutet hier: Ungewissheit? Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: das Wetter. Selbst Computermodelle im Supercomputer können die vielen EInflussfaktoren, Abhängigkeiten und Zufälle nicht entschlüsseln. Darum funktionieren Wettervorhersagen nur einen Tag oder max. eine Woche mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Unternehmen, Märkte, Menschen – das sind wie beim Wetter unglaublich viele Stellschrauben.

Managementprozesse und deren Rituale funktionieren bei Innovation und Startups durch die Ungewissheit darum leider nicht. Vielmehr kommt es auf das Mindset an. Und genau hier liegt ein Unterschied zwischen effektuieren und managen.

Beim Effektuieren haben die Unternehmer offene Zielvorstellungen. Was die Effektuierer wissen können: das sind die Mittel und Möglichkeiten. Hat jemand Kontakte, hat jemand bestimmte Fähigkeiten? Wenn ja, kann damit gearbeitet werden. Zum Beispiel hatten die Gründer von Freitag Taschen die Idee, etwas mit LKW-Plane zu machen. Am Schluss sind es dann kultige Taschen geworden. Eine sehr schöne Überraschung.

Effectuation ist der empirische Beleg, dass Management in seiner Funktion als Top-Down Management bei Innovation und Unternehmertum nicht funktioniert. Das sollte uns zu denken geben. Vor Allem in Konzernen, mit zentralistischen Machtstrukturen ist dies eine Erklärung, warum es nicht so ganz funktioniert mit der Innovation, wie gewünscht. Bei Regelprozessen, bei denen die Ungewissheiten gering sind, dort ist Management eine Methode der Wahl. Doch mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Wann macht Effectuation Sinn?

Effectuation ist eine interessante Methode bei hoher Unsicherheit und Dynamik. Das kann bei der Innovationsentwicklung (neue Märkte, neue Technologien) sein..

  • Wenn Sie Ergebnisse von Entscheidungen vorhersehen können: Wasserfall und lean Methoden sind mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich. Agile Methoden sind ggf. nicht effizient.
  • Wenn Sie Entscheidungen komplex sind: iterative Methoden wie z.B. SCRUM, lean Startup
  • Wenn Sie Ungewissheit über die Ergebnisse von Entscheidungen haben: Effectuation

Fazit

Teebeutel waren eigentlich nicht zum Brühen gedacht, Freitag Taschen waren einfach Kult, und Post-its sind das Produkt von Experimenten, in denen Superkleber entwickelt werden sollte. Für mich heißt Effectuation demnach: nutze deine Möglichkeiten und warte nicht auf “die richtige Idee”. Starte durch, einfach machen! Ich denke auch, dass Effektuieren nur in Artikeln wie diesem fancy klingt. In Wirklichkeit ist es der empirische Beweis, dass es keine Ausreden mehr gibt, endlich loszulegen. Was unterscheidet Effektuieren von “Durchwursteln”? Ich denke, es ist vor allem das Mindset entscheidend. Fehlschläge sind Insights und Learnings und nicht der Beweis, z.B. Glück, Intelligenz oder Kapital gefehlt haben.

Es ist die innere Gewissheit, dass jeder Tag ein guter Tag ist, an dem man lernt. Das ist für mich die Essenz von (erfolgreichem) Unternehmertum. Das kann natürlich nicht heißen, dass jeder seinen sicheren Job aufgeben sollte und dann in der Unsicherheit des Unternehmertums aufgeht.

Die Methode der Effectuation ist interessant, denn SIe können damit Ihr eigenes Handeln reflektieren, zum Beispiel durch folgende Fragen:

  • Nutzen sie ihre Kontakte und Mittel?
  • Wenn sie bei Fehlern enttäuscht oder traurig sind: was können Sie Gutes daraus machen?

Viele Fragen bleiben für mich persönlich durch die Entdeckung von Effectuation offen. Zum Beispiel: Wie können Kinder und Heranwachsende effektuieren lernen und damit früh Erfahrungen sammeln? Ich bin mir nicht sicher, ob man das Mindset erlernen kann. Ich bin mir aber sehr sicher, dass wir mehr Effektuierung brauchen, gerade bei der Entwicklung von neuen digitalen Geschäftsmodellen.

Glossar

Scrum

Scrum (aus englisch scrum für „[das] Gedränge“) ist die Bezeichnung für ein Vorgehensmodell des Projekt- und Produktmanagements, insbesondere zur agilen Softwareentwicklung. Es wurde ursprünglich in der Softwaretechnik entwickelt, ist aber davon unabhängig. Scrum wird inzwischen in vielen anderen Bereichen eingesetzt.[1] Es ist eine Umsetzung von Lean Development für das Projektmanagement.[2][3]

Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Scrum&oldid=165897203

Unsicherheit

In der Entscheidungstheorie werden mit Unsicherheit zukünftige Umweltzustände beschrieben, für welche keine Wahrscheinlichkeiten vorliegen. Unsicherheit wird dabei in Ungewissheit, Risiko und Unwissen unterteilt. Bei der Ungewissheit sind die möglichen Auswirkungen bekannt, man verfügt jedoch nicht über Informationen zur Eintrittswahrscheinlichkeit. Beim Risiko ist als zusätzliche Information die Eintrittswahrscheinlichkeit bekannt, nicht aber der Zeitpunkt. Beim Unwissen sind auch die Auswirkungen der untersuchten Handlungsalternativen nicht vollständig bekannt. Die Entscheidungstheorie bietet verschiedene Methoden zur Entscheidung unter Ungewissheit, Entscheidung unter Unsicherheit und Entscheidung unter Risiko.[1] Die Anwendung mathematischer Modelle zur Repräsentation von Unsicherheit ist extrem schwierig.[2]

Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Unsicherheit&oldid=165660529

Managementprozess

Der Managementprozess umfasst die Steuerung von Kernprozessen in Organisationen, mit dem Fokus auf die Strukturierung der organisatorischen Rollen und deren Aufgaben. Er stellt eine Sicht auf die Geschäftsprozesse eines Unternehmens dar, deren weitere die der Kernprozesse und der unterstützenden Prozesse sind.

Ein Kernprozess ist beispielsweise ein Produktionsprozess oder ein Marketingprozess. Unterstützende Prozesse sind dabei beispielsweise Buchhaltung oder Personalwesen. Managementprozesse sind beispielsweise die Entwicklung von Visionen und der Strategie, die Bestimmung der Ziele, Personalführung, Qualitätsmanagement, Projektmanagement, Risikomanagement, Finanzmanagement.

Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Managementprozess&oldid=163585048

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