Digitalisierung im Mittelstand

viele Unternehmen haben den Einfluss der Digitalisierung im Mittelstand noch nicht verinnerlicht. Das eiserne Gesetz des Internets heißt: „the winner takes it all“. Es sind viele Potentiale und Chancen, die genutzt werden müssen.

Treiber der Digitalisierung

Ich möchte ganz kurz vier Faktoren skizzieren, die meiner Meinung nach wesentliche Treiber der Digitalisierung im Mittelstand sind. Man kann nicht mehr von einem new economy hype sprechen, sondern von der Realität, wie sie viele Geschäftsführer nicht vorhergesehen haben.

Treiber der Digitalisierung
Treiber der Digitalisierung

Wir leben in einer “era of now”. Der allzeit vernetzte Kunde verlangt „realtime“ Informationen und Services. Die Kunden vergleichen, z.B. die Preise oder die Qualität von Produkten und Services von mittelständischen Unternehmen mit den Leistungen von digitalen Champions wie Amazon oder Google. Diese Unternehmen setzen mit einer auf hohe Kundenzufriedenheit und günstigen Preisen ausgelegten Kundenzentrierung branchenübergreifend Standards. Dabei werden neue Medien und Techniken effizient eingesetzt.

Social Media und Blogs sind heute die Meinungsmacher. Wer nicht im Internet gefunden wird, beziehungsweise keine social Media Präsenz hat, verdient weniger als Unternehmen mit hohen Reichweiten. Der Social Media Manager wird sind demnach fest etablieren, auch im B2B-Geschäft. Fehler von (etablierten) Firmen, werden durch die ständige Verfügbarkeit von Bewertungsportalen oder sozialen Netzwerken vom vernetzen Kunden direkt in die Cloud gepostet. Auch Handwerksbetriebe oder mittelständische Produzenten können auf diesen Kanälen nicht mehr fehlen.

Der Trend geht zur „Sharing Economy“. Das Eigentum von Dingen wird eher unwichtig – wichtig ist die Verfügbarkeit und der Besitz im Zeitpunkt des Bedarfs.

Wenn überall Autos stehen würden, die Sie jederzeit preisgünstig benutzen können, einfach losfahren und abstellen… wieso sollten Sie sich dann noch den Luxus eines privaten PKWs leisten?

Schauen wir in fast jede Stadt in Europa: überall stehen Autos, die nicht benutzt werden, in jeder Strasse, in jedem Parkhaus, an fast jedem Ort. Dieses Mobilitätskonzept ist auch aus Umweltgründen völlig unsinnig. Für mittelständische Automobilzulieferer hat eine nachhaltige sinkende Nachfrage nach Autos negative Konsequenzen.

Die Generation Y drängt in die Unternehmen. Digitale Natives haben andere Einstellungen zur Führung, der Organisation, zur Technologie und der Teilung von Wissen. Dies führt oftmals zu Konflikten zwischen Management und neuen Mitarbeitern. Der alteingesessene patriarchische Führungsstil hat bei der Digitalisierung im Mittelstand ausgedient.

Digitalisierung im Mittelstand
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Digitale Agenda – Wie der Digitalisierung im Mittelstand begegnen?

Auch wenn sich viele Unternehmen keinen Fachexperten oder Manager, der nur für Digitalisierung im Mittelstand zuständig ist, leisten können oder wollen: Die (etablierten) Firmen müssen (re)agieren: Ignorieren der Trends wird mit dem Verlust der Geschäftsgrundlage bestraft. Es gibt jedoch keine Patentrezepte. Eins ist jedoch sicher: Digitale Transformation ist weit mehr als ecommerce und social Media – es muss mit schnellen experimentellen Methoden ständig nach neuen Geschäftsmodellen gesucht werden, denn das Innovationstempo des Marktes macht die Erlangung nachhaltiger Wettbewerbsvorteile immer schwieriger. Dazu müssen sich viele KMU neu erfinden.

Digitale Agenda
Digitale Agenda

Insbesondere müssen die veränderten Kundenerwartungen (Stichwort: „customer journey management“) und die Bedürfnisse der Generation Y als Mitarbeiter in den Mittelpunkt gestellt werden.

Hierfür müssen Mitarbeiter (z.B. Produktmanager, Führungskräfte, Projektmanager) die neusten technologischen Kombinationsmöglichkeiten kennen und anwenden. Das Know How der Mitarbeiter muss Richtung Digitalisierung im Mittelstand geschärft werden, klassische fachliche Skills spielen eine immer weniger wichtige Rolle, vielmehr müssen die interne Vernetzung und Intrapreneure / Querdenker gefördert werden. Es ist im Zeitalter der Wissensgesellschaft ein neues Methodenset, das die Zusammenarbeit in den Vordergrund stellt, bei Management und Mitarbeitern notwendig („digital leadership“).

Für eine Digitalisierung im Mittelstand mittels technischen Innovationen brauchen Firmen immer mehr externe Impulse. Um im Innovationstempo mithalten zu können sind externe Querdenker, online Innovations- oder Crowdservices ein wichtiger Bestandteil der digitalen Unternehmen (z.B. für Workshops, Produktentwicklungen, Experimente).

Die Unternehmensabläufe müssen weg von statischer Steuerung und Kontrolle. Prozesse müssen etabliert werden, deren Fokus auf Vernetzung, Offenheit, Agilität und Flexibilität liegt. Ein Unternehmen wird sich strukturell immer mehr in Richtung Netzwerk entwickeln, da die Informationsflussgeschwindigkeit in hierarchischen Organisationen zu gering ist. Hierzu muss letztendlich auch die interne Bürokratie und „Politik“ abgebaut werden.

Kehrseiten der Digitalisierung im Mittelstand

Die Veränderungen sind vordergründig positiv, doch sie haben auch negative Folgen, welche nicht unterschlagen werden sollten.  Ich kann diese hier nur an skizzieren, denn unsere Gesellschaft wird Jahrzehnte brauchen, um auf die neue vernetzte Realität antworten zu finden.

Es wird gesellschaftlich zu sozialen Verwerfungen kommen. Firmen, die die Digitalisierung nutzen, und wirtschaftlich erfolgreich durch social Media ihre Reichweite Ihre Kundenbindung und ein wertvolles innovatives Brand aufbauen, werden viele konservative Unternehmen abhängen. Künstliche Intelligenz wird viele Jobs überflüssig machen. Big Data bricht mit alten deutschen Gewohnheiten im Datenschutz, doch die Masse der Kunden interessiert es scheinbar nicht.

Agilität und Flexibilität auf der einen Seite, bedeutet gleichzeitig, dass die Planbarkeit von Unternehmen oder beruflichen Laufbahnen schwieriger wird. Die durchschnittliche Lebensdauer von Unternehmen verringert sich. Lebensläufe werden immer brüchiger. Von Arbeitnehmern werden der Wille und die Skills für eine effektive Teamarbeit und auch der Umgang mit Team-Leistungsdruck stärker abverlangt (sog. Soft Skills). Insbesondere ältere Arbeitnehmer sind mit diesen veränderten Realitäten oft überfordert. Auch diese Herausforderungen lassen sich durch Wissen und den gezielten Aufbau von Skills angehen und damit die Konfliktpotentiale zumindest teilweise entschärfen.

Fazit

Google, Facebook oder Amazon sind ein no-go? Man kann es sich heute einfach nicht mehr leisten nur zuzuschauen. Den Kopf in den Sand stecken funktioniert nicht, denn dies wird mit Disruption bestraft.

Man wird vom Kunden nicht mehr gesehen, man wird nicht gebucht oder man ist außerhalb der Wertschöpfungskette in der digitalen Welt. Die digital natives verlassen das sinkende Schiff zuerst. Dies gilt für fast alle Branchen.

Eine Kernfrage bei der Digitalisierung im Mittelstand ist vielleicht eher: Wer kann es sich leisten nicht zu Digitalisieren?

 

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1 Kommentar

  1. Sehr gut auf den Punkt gebracht – mit anderen Worten: Nicht die Digitalisierung macht den Mittelstand kaputt, sondern Unternehmensstrukturen mancher etablierten Unternehmen, die das Schritthalten mit der zunehmend rasanten digitalen Entwicklungen erschweren.
    In meinem Innovations Blog http://www.mafro.de habe ich dieses Thema ebenfalls aufgegriffen.

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