4 Rezepte zum “smart” Scheitern

Neue Geschäftsmodelle sind riskant. Acht von zehn Startups scheitern. Ideen in Konzernen oder KMU scheitern sicherlich noch öfter. Erfahren Sie in diesem Beitrag, warum Scheitern und Innovation zusammengehören, was smartes Scheitern ist, und was Sie dagegen tun können.

Datengetriebene Unternehmen wie Google oder Amazon machen unentwegt sogenannte A/B-Tests. Nur das, was wirklich funktioniert, wird in die breite Masse ausgerollt. Die Ergebnisse aus zigtausend Tests sind ernüchternd: ca. 90 Prozent der neuen Ideen performen schlechter als der Status Quo. Autsch! Das bringt uns zu Mike Tyson, und seiner philosophischen Erkenntnis:

Scheitern bei Innovation

Die Chancen des Scheiterns sind hoch, besonders bei radikalen Innovationen. Niemand besitzt eine Glaskugel. Die Unternehmensumwelt ist komplex und dynamisch. Neue Geschäftsmodelle erwirtschaften kaum auf Anhieb Profite, besonders nicht in der schnelllebigen digitalen Wirtschaft.

Wie wir als Kinder durch Hinfallen das Laufen lernen, so werden Innovationen oft aus Pleiten über Umwege zum Erfolg geführt. Beispielsweise sind die berühmten Post-Its eine Art schöner Zufall (Serendipität). Scheitern und Neues gehört darum zusammen. Man spricht bei gescheiterten ersten Ideen von Pivots. Startups richten sich mit Pivots neu aus. Ein Startup, dass noch nicht pivotiert hat, ist bei Investoren eher suspekt. Denn pivotieren entsteht aus dem Lernen im Markt- und Kundenkontakt.

Scheitern tut weh und selbst die erfolgreichsten Entrepreneure scheiterten. Steve Jobs zum Beispiel. Er hat aus seinem Scheitern ein Hollywood reifes Comeback gemacht. Doch gibt es “smartes Scheitern”? Und wenn ja, wie sähe es aus?

Smart Scheitern Rezepttipp 1: Unternehmenskultur!

Scheitern ist ein “no-go” in hierarchischen Organisationen, da dies einem Gesichtsverlust gleich kommt. Smarter Scheitern geht demnach schlecht in einer durch command and control geprägten Unternehmenskultur.

Damit Scheitern im Unternehmensalltag akzeptiert werden kann, dazu gehört erstmal eine Kultur des Experimentierens. Zusammenarbeit, Kreativität und Offenheit sind dabei unerlässlich. Furcht und Scham vor Scheitern sind Kreativitätskiller. Ebenso der Frust langer Entscheidungszyklen in grösseren Unternehmen.

Smart Scheitern Rezepttipp 2: Wenn dann zusammen!

Innovation ist oftmals ein kollektiver Problemlösungsprozess (“Collaboration”). Dabei werden die Talente von vielen Menschen verbunden. Hierbei hat sich ein Mindset der Zusammenarbeit bewährt.

Das hat wenig mit Sozialromantik zu tun, sondern weil es nur so funktioniert. Und in kreativem Schaffen entsteht auch ordentlich kreative Reibung. Unterschiedliche Meinungen gilt es bei kreativen Prozessen zu verstärken. Sinn macht ein leidenschaftlicher aber an der Sache konstruktiver Diskurs über die Ideen und Ansätze. Diversität erzeugt neue Ideen – das sieht man z.B. am Ökosystem “Großstadt”. In Städten sind Künstlerviertel eine Quelle von neuen Ideen. Sie bilden den Nährboden für ein gutes Wohnklima und mittelstristig auch ökonomischem Aufschwung. Diversität verringert die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns. Wenn gemeinsam an der Idee gearbeitet wird, und viel experimentiert wird, dann fällt auch das Scheitern nicht so schwer.

Denn, das führt uns direkt zum nächsten Hebel.

Smart Scheitern Rezepttipp 3: Experimente!

In der Geburtsstunde einer Innovation existiert die Idee. Eine Idee ist wie eine Wette, oder anders ausgedrückt, eine Hypothese. Oft ist anfangs nicht einmal klar, welches Problem des Kunden gelöst werden soll. Wer allzu streng an seiner Idee festhält, wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Scheitern. Innovative neue Geschäftsmodelle sind ohne tiefe Erkenntnisse über die Kunden quasi unmöglich. Und diese Erkenntnisse können nicht in Meetingraum-Debatten erlangt werden, sondern nur in der Realität beim Kunden (das “lean startup Mantra”). Es ist sehr riskant, wenn direkt mit der Lösung gestartet wird. In der Softwareentwicklung nennt man diesen Fehler übrigends die WISCY-Methode (“why isn’t Sam coding yet?”). Fehler in der Definition der Ziele bei Software schlagen übrigens mit dem 68ig fachen Kosten im Fehlerfall nieder.

Smarter ist es, die Hypothesen zu testen und sich somit Stück für Stück an die Kundenanforderungen heranzutasten (product market fit).

Schlechtes und smartes Scheitern unterscheidet:

  • die Geschwindigkeit (man will schnell scheitern), und
  • der Grad der Erkenntnisse (man will möglichst viel Lernen).

Achtung neues Buzzword: Es geht um kreative Agilität 🙂. Maximiere die Anzahl an Ideen, die möglichst früh am Markt getestet werden.

Smarter Scheitern Hebel Nummer 4: Nutze Methoden!

Methoden wie Design Thinking bieten sich bei komplexen und multidimensionalen Fragestellungen an. Die Werkzeuge sind erprobt. Sie funktionieren und können einen kreativen und kollaborativen Problemlösungsprozess effizient gestalten. Design Thinking hat spezielle Phasen für das Prototyping und ist damit für smartes (=schnelles und günstiges) Scheitern entwickelt.

Fazit

Die Fähigkeit Krisen zu bewältigen nennen Psychologen “Resilienz”. Das ist, wenn man immer wieder aufsteht, auch wenn es mal besch**** läuft. Und das ist, wenn man bei Niederschlägen vielleicht die Richtung ändert und es dann trotzdem weitergeht. Bei Innovationen ist es smarter früh und oft zu Scheitern. Scheitern ist Lernen, wie es nicht funktioniert. Vielleicht trifft es Bruce Lees Mantra “be water, my friend” gut.

Im Kontext von Innovation muss man wendig bleiben.

Nicht auf eine fixe Idee und eine fixe Lösung festnageln. Im Team viel Probieren – viel Machen, viel Lernen.

Hier schließt sich der Kreis zu Methoden wie lean Startup. Die Gründer und Macher von erfolgreichen Startups kleben nicht an einer Lösung: sie scheitern smart. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Innovatoren brennen für die Ideen.

Unternehmenskultur, Collaboration, Experimente und Methoden gehören zusammen. Und immer locker und geschmeidig bleiben – das ist die Devise.

Glossar

A/B-Tests

Der A/B-Test (auch split test) ist eine Testmethode zur Bewertung zweier Varianten eines Systems, bei der die Originalversion gegen eine leicht veränderte Version getestet wird. Anwendung findet diese Methode hauptsächlich bei Software und im Webdesign mit dem Ziel, eine bestimmte Nutzeraktion oder Reaktionen zu steigern.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/A/B-Test

Serendipität

Der Begriff Serendipität (englisch serendipity), gelegentlich auch Serendipity-Prinzip oder Serendipitätsprinzip, bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.[1] Verwandt, aber nicht identisch ist die weiter gefasste Redewendung vom glücklichen Zufall. Serendipität betont eine darüber hinausgehende Untersuchungstätigkeit, eine intelligente Schlussfolgerung oder Findigkeit.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Serendipit%C3%A4t

lean startup

Das Grundprinzip von Lean Startup ist, dass jede Idee für die Unternehmensgründung als unbewiesene Hypothese betrachtet werden muss, die erst als sicher gilt, wenn sie empirisch validiert worden ist. Hypothesen, die widerlegt wurden, müssen durch neue ersetzt werden. Erst wenn alle erfolgskritischen Hypothesen validiert worden sind, kann das Startup in die nächste Phase übergehen. Dabei soll die Überprüfung möglichst schnell und kostengünstig erfolgen. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass ein Startup Geld und Zeit mit irrelevanten Aktivitäten verschwendet oder auf Grund einer falschen Annahme scheitert.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Start-up-Unternehmen#Lean_Startup

Design Thinking

Design Thinking ist ein Ansatz, der zum Lösen von Problemen und zur Entwicklung neuer Ideen führen soll. Ziel ist dabei, Lösungen zu finden, die aus Anwendersicht (Nutzersicht) überzeugend sind. Im Gegensatz zu anderen Innovationsmethoden kann bzw. wird Design Thinking teilweise nicht als Methode oder Prozess, sondern als Ansatz beschrieben, der auf den drei gleichwertigen Grundprinzipien Team, Raum und Prozess besteht.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Design_Thinking

Über den Autor

Christian Ehlert hat in Wiesbaden „LEANOFY  INNOVATION“ und „TrainDot.de“ ins Leben gerufen. LEANOFY kreiert smarte digitale Produkte und Dienstleistungen für Erfolg in Zeiten des Wandels. Wir machen das mit kundenzentriertem Innovationsdesign, Prototyping und Markttests.

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