11 KRITISCHE ERFOLGSFAKTOREN FÜR IHR INNOVATIONSLABOR UND CORPORATE STARTUP

11 kritische erfolgsfaktoren
Ideenschmieden, Innovationslabore und corporate Startups sind derzeit massiv gehyped. Aus gutem Grund. Viele Unternehmen stärken damit ihre Innovationskraft. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie ein Innovationslabor ein Erfolg wird und bleibt.

Warum Innovationslabore eröffnet werden

Meiner Meinung nach, muss man zuerst den Unterschied zwischen Startups und Unternehmen verstehen.

Unternehmen führen ein Geschäftsmodell aus. Startups sind auf der Suche nach einem Geschäftsmodell.

Das ist ein riesiger Unterschied. Aber trotzdem verwechseln viele Manager beides. Die Wahrheit ist: man braucht für die Ausführung und die Findung von Geschäftsmodellen andere Rahmenbedingungen, Strukturen, Prozesse, Fähigkeiten und Mindsets.

Starre Regelungen wie Compliance, Risikomanagement, Arbeitsanweisungen, Sicherheitsvorschriften und eine Hierarchie sind aus guten Gründen etabliert. Nämlich sind diese Regelungen dazu da, dass ein Unternehmen sein Geschäftsmodell behält. Und das es beispielsweise nicht gegen Recht und Gesetz verstößt, das Arbeitnehmer geschützt werden und ein effizienter und stabiler Betrieb möglich wird.

Dort gibt es natürlich Auswüchse. Wenn nur noch Bürokraten belohnt werden, dann leidet die Innovationsfähigkeit. Ein Unternehmen wird langsam, träge und fad. Kreative Menschen und Macher mögen solche Unternehmen nicht.

Risiken eingehen und neue große Ideen zu entwickeln, ist immer mit einem Risiko des Scheiterns verbunden. Es wird für die Manager und Führungskräfte im Unternehmen rationaler, den Status Quo zu halten. Compliance gilt daher gerade in großen Konzernen als Totschlagargument. Dieses „Innovators Dilemma“ hat Clayton M. Christensen bereits vor Jahren hervorragend beschrieben (Link zum Buch bei Amazon).

Und genau an diesem Punkt setzt die Idee eines Innovationslabors an. Innovationen wie ein Startup entwickeln ist die Devise. Neue Ideen in schnellen Iterationen am Markt entwickeln, ohne Regelungen und komplizierte Genehmigungsprozesse. Das macht Sinn und wird von immer mehr Unternehmen gelebt. Es handelt sich quasi um ein Schnellboot, das vom Tanker mit Ressourcen unterstützt wird. Von dem Labor soll der Tanker von der Innovationskraft profitieren und neue Geschäftsmodelle erhalten.

Doch grau ist alle Theorie. Viele dieser Projekte funktionieren nicht oder werden schon wieder abgeschaltet. Und manche Tanker lassen die Mitarbeiter in den Innovationslabors frustriert zurück. Die neuen Ideen landen als PowerPoint-Präsentation auf der mittleren Führungsebene und sie versanden dann. Corporate Startups haben dann einen Placebo Effekt. Man spielt Innovation an wenigen Tagen im Jahr, doch auf der operativen Ebene kommen die neuen Ideen und Geschäftsmodelle nicht über eine Pilotierung oder halbherzige Startversuche hinaus.

Die Ideen aus dem Innovationslabor werden als Störungen im Geschäftsbetrieb gesehen. Und genau das sind sie auch. Sie stellen Ansätze und bestehende Geschäftsmodelle auf den Kopf, doch wenn sie wirklich radikal sind, dann stellt sich die Frage, ob man sich im Tanker für ein riskantes Projekt wirklich selbst kanabalisieren soll. Oder aber die Kuh melkt, bis sie tot ist.

Doch was kann man aus diesem Dilemma tun, um ein corporate Startup erfolgreich zu machen?

Die zentrale Herausforderung ist es, die Menschen und das Mindset für Innovationskraft zu stärken.

  1. Innovation ist Chefsache. Daher sollte der CEO / die Geschäftsführung stets aktiv involviert sein und das corporate Startup NICHT Business-Units unterstellen.
  2. Mindset und Erwartungen klar machen, dass im Labor mit großen neuen Ideen experimentiert wird. Bewusst darauf achten, dass frei und ohne Regelungen, Kontrollwut und Bürokratie kundenzentriert am Markt gearbeitet wird.
  3. Riskante Projekte fördern. Was Menschen tief verstört, ist Ideen aufzugeben, für die sie brennen. Ich kann das aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Auch wenn es gegen unsere Intuition verstößt, sollte man Menschen belohnen, wenn sie mit ihren Ideen scheitern. Gerade in Deutschland ist dies ein riesen Problem. Man sollte darüber nachdenken, Mitarbeitern extra Boni zu geben und Ihnen Anerkennung geben, wenn Projekte beerdigt werden. Man sollte sie sogar dank ihres Mutes dafür befördern.
  4. Klar machen, dass es im Innovationslabor um große aber auch realistisch umsetzbare Ideen geht – nicht um Verbesserungen in bestehenden Geschäftsprozessen oder nicht umsetzbare Visionen.
  5. Die „verrückten Querdenker“ und Intrapreneure einladen und fördern.
    • Innovationssprozesse mit frühen Feedback-Loops vom Markt wie Adobe Kickbox im gesamten Unternehmen kommunizieren und Engagement belohnen.
    • Den Mitarbeitern mit Ideen 20 % der Zeit geben, um im Innovationslabor zu arbeiten.
    • Gemischte Teams bilden, vor allem in Ideenfindungsphasen. Teams werden erfolgreicher, je mehr Perspektiven hineinkommen. Ingenieure, Modedesigner und Sozialwissenschaftler können gemeinsam größere Ideen entwickeln, als jeder für sich im stillen Kämmerlein.
    • Unternehmertum und dessen Mindset kann man nicht erlernen. Jedoch die Methoden schon. Schulen Sie die Innovatoren in Methoden wie Design Thinking oder lean Startup. Gerade wenn Menschen anfangen, die Geschäftsmodellentwicklung von Startups zu erlernen ist die Lernkurve rasant.
    • Im Innovationslabor Kreativräume für mehr Inspiration einrichten.
  6. Keinen unrealistischen Erfolgsdruck aufbauen. Trotzdem ambitionierte Timelines in den Innovationsprojekten setzen.
  7. Ein räumliche Trennung zwischen Tanker und Labor vornehmen – jedoch die Türen in beide Richtungen offen lassen. Es geht nicht um ein Gegeneinander sondern beide Seiten profitieren von den neuen Impulsen.

Kritische Schnittstellen in und aus dem den Tanker managen.

  1. Die Schnittstellen in den Tanker immer von oben begleiten. Die Tür offen lassen und immer wieder fragen, wer im Unternehmen aktiv neue Geschäftsmodelle aus dem Innovationslabor aktiv unterstützt und diese Leute belohnen.
  2. Die Ideen nicht zu früh wieder zurück in den Tanker geben. Besonders kritisch sind die frühen Phasen der neuen Geschäftsmodelle. Im Tanker besser eine kleine Unit (mit bewusst begrenztem Budget) aufbauen, die early stage Businesses übernimmt und weiter treibt. Damit können die Pflänzchen nicht direkt von Controlling weggeschnitten werden, sondern organisch gedeihen und wachsen.

Die Kommunikation und Vernetzung fördern.

  1. Innovationslabors sind nichts für jeden. Und das ist gut so. Trotzdem sollte man die Kommunikation zwischen Tanker, Schnellboot und Startups fördern. Je mehr man raus in die Wirklichkeit geht, umso mehr Impulse kommen ins Unternehmen zurück.
    • Eigene Intranet Seite für das Innovationslabor etablieren,
    • gemeinsame Events Zum Beispiel Hackathons, Ideen-Brunch, Ausflüge zu anderen Innovationslabors organisieren,
    • das Innovationslabor mit der lokalen Start-up Community vernetzen. Ideal sind hier Meetups. Auch lassen sich social Media Kanäle wie Twitter für die Ideenschmiede nutzen.
  2. Es ist schwierig den Spagat zwischen Geheimprojekten und öffentlichen Projekten zu finden. Aufgrund Patentanmeldungen und auch ggf. internen Gegnern von radikal neuen (potentiell disruptiven) Projekten, muss man einen guten Mittelweg finden. Trotzdem sollte man öffentliche Ideen haben, die man als Erfolge feiern darf.

Über Christian Ehlert

Christian Ehlert ist Geschäftsführer von LEANOFY und TrainDot mit Sitz in Wiesbaden. Er arbeitet seit über 15 Jahren an verschiedenen Positionen im IT-Sektor. Zuletzt hat er im Softwaretest an der Schnittstelle zwischen Business und IT im Bankingbereich mitgewirkt. Darüber hinaus ist er seit über 6 Jahren in der Innovationsentwicklung tätig.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.